Nicht einfach aus(zu)halten

Eigentlich wurden die kruden Thesen eines Herr Sarrazin derart überbewertet, dass jedes Wort darüber eines zu viel wäre. Die Tatsache jedoch, dass SPD-Fraktionsvorsitzender Eduard Böger meint, derartige Aussagen müsse eine Partei wie die SPD “auch mal aushalten können”, ruft schon nach einem Kommentar. Nicht auszuhalten ist für mich jedenfalls jemand, der Minderheiten anderen Glaubens und Herkunft quasi zu Schuldigen an ihrer eigenen Diskriminierung macht.  Ihr, die ihr aus einer anderen Kultur kommt, seid doch selber Schuld, wenn Euch diese Kultur über Generationen hinweg von Bildung und Integration fernhält - so kann man Sarrazin interpretieren.  Das hatten wir schon einmal, dem gilt es zu begegnen.

Ich stelle gar nicht erst ernsthaft die Frage, warum es jemand mit Migrationshintergrund vielleicht in einer Art “Parallelgesellschaft” besser gefällt als in unserer hochindividualisierten Ellbogengesellschaft. Kann es daran liegen, dass Alte und Gebrechliche mit Respekt und Liebe behandelt statt ins Pflegeheim abgeschoben werden? Dass Familienverbund noch etwas bedeutet und Gastfreundschaft eine hohe Wertigkeit besitzt? Dass Kinder gewollt sind und nicht der Karriereplanung unterliegen? Und, und, und…

Aber lassen wir dies einmal, nehmen wir einfach an, allen ginge es um eine gelungene Integration und ein friedliches Zusammenleben in Deutschland. Sarrazins Thesen kann man doch wohl nur dann mit dem Brustton der Überzeugung als irrelevant betrachten, wenn man alles tut oder getan hat, um solch ein von gegenseitigem Respekt getragenes Zusammenleben zu ermöglichen. Wer aber zur Zeit alles daran setzt, wesentliche Eckpfeiler sozialer Fürsorge zu pulverisieren, trägt dazu bei,  Zustände zu manifestieren, die Rattenfängern wie Sarrazin erst die Munition für ihre Hetzschriften liefern. Und das ist einfach nicht auszuhalten.

Matthias Obenhaus

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